Das Konsensprinzip als Grundlage für Entscheidungen der Hausversammlung hat sich in der Geschichte der Alten Pauline bewährt und sollte meines Erachtens beibehalten werden.
Funktioniert hat es über zwei Jahrzehnte lang nicht etwa, weil alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der HV über alles stets einer Meinung waren. Es war auch keineswegs so, dass in Streitfällen ein mehr oder weniger fauler Kompromiss von den Beteiligten als Konsens akzeptiert worden ist.
In der Mehrheit der Entscheidungsfälle kommt es auch nicht zu einem wirklichen Konsens., sondern zu einem Abnicken eines Veranstaltungsvorschlags ohne eine Diskussion, weil viele der Beteiligten kein Interesse am Thema haben oder ein hinreichendes Vertrauen darin, dass der oder die Vorschlagenden keinen Unsinn verzapfen.
In Fragen von politischen Veranstaltungen wurde es in den ersten 22 Jahren so gehalten, dass jede sich dem Haus verbunden fühlende Gruppe (sei es eine formelle oder eine informelle) politische Veranstaltungen machen konnte, die ihr sinnvoll erschienen.
Sie wurden nicht von Mitgliedern der Hausversammlung, die eine andere politsche Position vertraten, an ihrem Vorghaben gehindert.
(Einen Konsens gab es selbstverständlich immer: Es durften keine Veranstaltungen von irgendwelchen Nazis und keine von bürgerlichen Parteien stattfinden.)
Diejenigen, die mit einer politischen Veranstaltung nicht einverstanden waren, wussten, dass ihnen immer drei Reaktionsmöglichkeiten offen standen:
1) Sie konnten die Veranstaltung einfach nicht besuchen.
2) Sie konnten zu der ungeliebten Veranstaltung gehen und dort ihre Position argumentativ vertreten.
3) Sie konnten eine eigene Veranstaltung machen, auf der ihre Positionen vertreten wurden - und sie konnten sicher sein, dass ihnen niemand das Recht auf diese Veranstaltung bestreiten würde.
Diese stillschweigende und selbstverständliche Tolerierung unterschiedlicher linker Positionen war begründet in dem Wissen, dass keine der Gruppen außerhalb der Pauline Räumlichkeiten in Detmold findet, in denen sie ihre Veranstaltung unter vergleichbar günstigen Bedingungen abhalten kann. Sie ist die unerlässliche Voraussetzung für die Praktizierung des Konsensprinzips.
Diese Tolerierung ist von der Mehrheit des neuen K.I.D-Vorstands und Teilen der Hausversammlung in den letzten Monaten aufgegeben worden mit dem Ziel, einem anderen Teil der HV, der fast durchgängig vereinfachend bis verfälschend mit der Georg-Weerth-Gesellschaft e.V., Detmold gleichgesetzt wird, die Möglichkeit zu nehmen, Veranstaltungen in der Alten Pauline durchzuführen.
Das Konsensprinzip wird jetzt so verstanden, dass eine Veranstaltung nur dann genehmigt ist, wenn alle in der HV ihr zustimmen.
Während das bei Kulturveranstaltungen nicht zu Problemen führt, weil ich z.B. nicht aus Bosheit gegen eine Party oder ein Café stimme (selbst wenn ich zahlreiche politische und praktische Argumente gegen diese Veranstaltungen habe), wird das umgekehrt bei ungeliebten politischen Veranstaltungen genau so gehandhabt. Das Konsensprinzip wird zum Vetorecht pervertiert mit dem Ziel, sie zu verhindern.
Hinzu kommt, dass dieses Vetorecht nur bestimmten Personen zugestanden wird. Kommt es in bestimmten Fragen nicht zum Konsens, werden die Einwände überhört, wenn sie der Vorstandsmehrheit nicht ins Konzept passen. Im Protokollbuch tauchen sie dann auf wunderbare Art und Weise gar nicht mehr auf.
Dieses Vorgehen der Vorstandsmehrheit und eines Teiles der HV-Teilnehmer/innen ist nichts anderes als rücksichtslose Machtpolitik, die sich des Konsensprinzips nach Lust und Laune als Instrument zur Durchsetzung der eigenen Positionen bedient.
Ich fordere die HV auf, diesem Treiben ein Ende zu machen und wieder die für die sinnvolle Handhabung des Konsensprinzips notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.
Hans Hartings (Unterstützer der Alten Pauline seit 1981)