Ad absurdum2
Ein weiterer “Versuch” einer
Teilnahme an einer “Pseudodebatte”
Auf Grund des jüngsten Konfliktes zwischen
sogenannten Antifaschistinnen und Antifaschisten aus OWL und der
Georg-Weerth-Gesellschaft Detmold (GWG) und der besorgniserregenden Entwicklung
der Auseinandersetzung, sehen wir uns zu einer Stellungnahme gezwungen.
Die Auseinandersetzung
erscheint uns deshalb als besorgniserregend, da der Eindruck entsteht, als sei
ein wütender “deutscher Mob” losgezogen, um mit den neu erklärten Feinden – den Antideutschen – einen kurzen Prozess zu machen.
Es erscheint, als wird die Auseinandersetzung einzig und allein durch “linksvergesellschaftete
Ressentiments” bestimmt, die
als naturgegebene Abwehreaktion bei dem Wort Antideutsch auftreten.
Die sogenannten
Antifaschistinnen und Antifaschisten aus OWL die bereits bei einer internen
Auseinandersetzung in der Alten Pauline zu einer körperlichen Auseinandersetzung übergingen und zu einer
Verhinderung des von der GWG veranstalteten Vortrags mit llka Schröder aufriefen, haben dadurch
jede weitere sachliche und inhaltliche Diskussion untergraben. Dem Anspruch der
Aufklärung gegen
Antisemitismus wurde somit der konsequente Kampf angesagt.
Es ist schlichtweg
einfach nur grotesk, wenn in den Ausführungen erläutert wird, die Veranstaltung verhindern zu
wollen, damit “(...) die richtigen und guten Positionen IIka Schröders nicht diskreditiert werden,
weil sie in einem unsinnigen, von der GWG vorgegebenen.Rahmen
gestellt werden (...)”. Wie immer mensch auch im
einzelnen zu den inhaltlichen Punkten der GWG steht, es gibt keinen Anlass eine
solch wichtige Debatte auf so einer absurden Weise zu diffamieren.
Denn gerade der Kampf
gegen Antisemitismus ist untrennbar von einer antideutschen Position. Es ist schlichtweg fa1sch zu behaupten, eine
antideutsche Ideologie – als Negation Deutschlands – beinhalte völkische Tendenzen, da die Konstruktion des “Vo1kes” dadurch anerkannt würde. Vielmehr ist der
antideutsche Standpunkt, ein Standpunkt der die Grundvorrausetzung gegen eine völkische homogenisierte Ideologie
und somit gegen die bedrohliche Erscheinung des Antisemitismus ist.
Nur eine konsequente
Ablebnung gegen konstruierte Gebilde, wie kol1ektive Völker und Nationen, die zwangsläufig ein “antideutschsein” zur Emanzipation voraussetzt,
vermag es antisemitischen Tendenzen etwas entgegenzusetzen. Denn nur so kann
mit der Vorstellung eines naturgegebenen, kollektiven Wesens gebrochen werden,
welches eine gesellschaft1iche Befreiung unmöglich macht.
Common sense ist somit
logischerweise, dass jemand der hierzulande eine gesellschaftliche Emanzipation
von Herrschaft anstrebt, antidentsch ist, wie jede und jeder die/der diese
Emanzipation verwirklichen will, an ihrem/seinem Wohnort gegen ihr/sein
Staatenkonstrukt sein muss.
Auf Grund des Niveaus der
Auseinandersetzung auf der einen Seite und des fatalen Fehlschlusses alles
antideutsche als die Diabolik schlechthin zu stigmatisieren, sehen wir nur eine
einzige Konsequenz. Und die lautet, obwohl wir uns nur ungern mit dem
sogenannten Bahamasspektrum und irgendwelchen kuriosen Gestalten, die die
kapitalistischen Verhältnisse affirmieren und/oder meinen die USA seien die neuen
antifaschistischen Wohltäter der Geschichte, in eine Schublade stecken lassen, uns klar und
deutlich, neben antikapitalistisch, antifaschistisch etc., als Antideutsche zu
positionieren.
Dies ist unserer Meinnug
nach die entscheidende Einsicht, die aus einer klaren antivölkischen, antinationalen und
somit zwangläufig
antideutschen Haltung und der Aufarbeitung geschichtlicher Dispositionen und
Konstellationen zu Tage kommt.
Um noch mal auf den
Konflikt und die Vorwürfe gegen die GWG zurückzukommen. Es wird das Argument hervorgebracht, das die GWG bei einer
Demonstration in Bochum, trotz bedenken der jüdischen Gemeinde aus Angst vor aufkeimenden
Antisemitismus, Israelfahnen mit sich führte.
Ist dieses Ereignis, das
Juden in Deutschland ans Angst vor Antisemitismus das tragen israelischer
Fahnen ablehnen, nicht eher ein Anlass zu Besorgnis? Müssten sich nach solchen beängstigten Äußerungen von Juden, gerade in dem Land wo Auschwitz
als völkische Endlösung möglich gemacht wurde, nicht alle
emanzipatorischen und progressiven Kräfte, wie auch immer sie zu dem mitführen einer israelischen
Staatsflagge stehen, zusammensetzen und eine Debatte über die Unterbindung eines
aufkeimenden Antisemitismus führen? Das wäre die einzigst logische Konsequenz gewesen, die aus der Aufarbeitung von
Auschwitz und der ernsthaften Absicht jeglichen Antisemitismus zu bekämpfen, hätte gezogen werden müssen.
Stattdessen wird dieser
besorgniserregende Vorfall als Gegenargument in einem Pseudograbenkampf
verwendet, wo sich die Akteure gegeneinander vorwerfen, den Kampf gegen
Antisemitismus nur für ihre eigene Hegemonialansprüche zu instrumentalisieren.
Das Verhältnis zu Israel ist, gerade für uns als Bewohner Deutschlands
und somit des alten Europas, ein weiterer zentraler Punkt in der
Auseinandersetzung und des Kampfes gegen einen gesellschaftlichen
Normalzustand.
Solange Antisemitismus
ein staatsbürgerlich
herrschender Bestandteil ist, ist die(das) Existenz(-recht) lsraels ein notwendiger
Status. Den fürr die
weltweit vom Antisemitismus bedrohten Juden bietet dieser Staat (in der
realexistierenden Situation) den einzigen Zufluchtsort und die Möglichkeit zur Verteidigung. Gerade
der weltweit exportierte europäische und auch spezifisch deutsche Antisemitismus,
macht diese Grundlage zur existenziellen Behauptung aus emanzipatorischer
Sichtweise. Wer dieses Existenzrecht nicht anerkennt oder sogar mit völkisch-nationalistischen Kräften dagegen wettert, macht sich
zum Handlanger der Verbreitung einer antisemitischen Ideologie.
Die Geschichte hat uns
gezeigt und zeigt uns immer wieder, dass die Dummheit wirklich international
ist. Uns sollte allen klar werden, dass eine “befreite Gesellschaft” mit linksradikalen
Pseudodebatten ebenso wenig möglich ist, wie mit antisemitischen, völkischen und nationalistischen Ideologien.
Der Kampf gegen solche
Ideologien muss einen zentralen Punkt einnehmen und eine “wirkliche Befreiung” ist nicht mit losen
Lippenbekenntnissen zu erreichen, sondern nur mit einer konsequenten und
radikalen Aufklärung die zuerst in unseren eigenen Köpfen beginnt.
Antideutsche Anarchisten
Bielefeld-Ost (AABO)