20 Jahre Alte Pauline noch ein recht jugendliches Alter. Sie ist etwa so alt wie die Generation von Jugendlichen, die dort ihre autonomen Spiele treibt. Unter den autonomen Kultur- und Kommunikationszentren gehört sie nicht zu den Ältesten, aber zu den letzten.
Die Georg-Weerth-Gesellschaft ist erst zwölf Jahre alt. Sie hat in den letzten Jahren zahlreiche Veranstaltungen in der Alten Pauline durchgeführt oder war an ihnen beteiligt. Die Möglichkeiten, in Detmold politische Veranstaltungen außerhalb dieses Zentrums abzuhalten, sind in den letzten zehn Jahren stark beschnitten worden. Ihre älteren Mitglieder haben die Alte Pauline von Anfang an begleitet, ihre Möglichkeiten genutzt, sie finanziell oder politisch gefördert, einige waren auch dabei aktiv, als es darum ging, dieses Zentrum als Ersatz für die besetzte, dann geräumte und abgerissene Klingenberg-Fabrik abzutrotzen.
Wir haben in diesen zwanzig Jahren immer wieder festgestellt, dass dieses Haus für uns unverzichtbar ist und werden es deshalb gegen alle Angriffe verteidigen, egal ob Nazis das Haus attackieren oder bürgerliche Politiker Gleichzeitig werden wir uns nicht zurückhalten, wenn uns Kritik am Haus oder an einzelnen dort tätigen Gruppen notwendig erscheint.
Die Entwicklungen in der deutschen bürgerlichen Gesellschaft sind an der Pauline nicht spurlos vorbei gegangen. Die Entpolitisierung vieler ehemaliger Linker, ihr Rückzug ins Privatleben, ihre Verblödung durch esoterische Lehren, der Zusammenbruch fragwürdiger Hoffnungen nach 1989 haben massive Auswirkungen gehabt.
Während die Alte Pauline in den Anfangsjahren noch als ein richtiger Bürgerschreck galt mit gutem Grund übrigens und viele linke politische Gruppen sich dort betätigten, ist das Haus seit Jahren eher ein Treff für unzufriedene Jugendliche, die dort unter irgendwie gleich Gesinnten eine billige Cola trinken wollen.
Immer in diesen zwanzig Jahren hatten linke Bewegungen in der Region (und zum Teil weit darüber hinaus) etwas mit der Alten Pauline zu tun.
Die Politisierung über die Alte Pauline vor allem durch den Kampf um ihre Durchsetzung hat einige politische Opfer gekostet: Menschen verloren ihre Gesundheit, andere sind durch die Erfahrung staatlicher Repression zerstört worden, verloren den Boden unter den Füßen oder wurden psychisch geschädigt.
Auch im kulturellen Bereich hat sich hier mehr oder weniger Wichtiges und Beeindruckendes getan. Zahlreiche mehr oder weniger erinnernswerte oder heute noch bekannte Musikgruppen haben hier ihre ersten Akkorde lautstark in den Keller gepustet. Einige Theatergruppen haben hier jahrelang geprobt und aufgeführt und damit die verschnarchte kleinbürgerliche Theaterszene ein wenig aufgemischt. Das schätzen wir immerhin, auch wenn wir den kulturell Aktiven in der Pauline zum großen Teil vorwerfen, politisch ignorant zu sein und damit auch negativ auf die Pauline gewirkt zu haben.
Von unschätzbarer Bedeutung ist die antifaschistische Arbeit, die in diesem Haus bis in die Gegenwart geleistet worden ist. Viele Jugendliche sind auf diesem Weg politisiert worden. Das wird selbstverständlich anerkannt, auch wenn wir kritisieren, dass die Antifa politisch borniert ist und selten zu einer nachhaltigen politischen Aktivität von Jugendlichen führt. Meist werden sie im zarten Alter von 24 bis 30 Jahren im bürgerlichen Sinne vernünftig, ziehen sich ins Privatleben zurück und haben in all den Jahren nicht viel mehr gelernt, als Nazis Scheiße zu finden und ihnen auf mancherlei Weise das Leben zu erschweren.
Die linken politischen Aktivitäten in der Pauline haben die Bürgerlichen und die Nazis immer provoziert.
Am Tag nach der Klingenberg-Räumung im Januar 1980 konnte man aus der Detmolder Bevölkerung altbekannte Vorschläge hören, die auf die physische Liquidierung der Besetzer hinausliefen.
Das wird heute seltener der Fall sein. Man hat sich an den Schandfleck Alte Pauline irgendwie gewöhnt und die Paulinianer fallen im Alltag unter all den absonderlich kostümierten Jugendlichen nicht mehr besonders auf.
Trotzdem gibt es nicht zu unterschätzende Kräfte, welche die Pauline lieber heute als morgen dicht machen würden. Die denken aber eher an die vorzügliche Lage des Grundstückes in unmittelbarer Citynähe als an die politische Bedrohung, die vermeintlich von dort ausgeht.
Die bedrohlichsten Feinde aber sind ganz sicher die Horden jugendlicher Neonazis und ihrer nationalistischen Sympathisanten. Denn den bürgerlichen Hitzköpfen a la Grigat wird von ihren Kumpels ganz sicherlich klar gemacht, welche unschätzbaren Vorteile sich für die Stadt aus der kostenlosen autonomen Jugendarbeit ergeben, wie bequem es für den Staatsschutz ist, die üblichen Verdächtigen alle in einem gut zu überwachenden Haus zu wissen.
Wir wünschen der Pauline, dass sie sich gegen jedwede Angriffe in der Zukunft erfolgreich wehrt. Und wir versprechen ihr, sie dabei zu unterstützen.
Wir wünschen uns von der Pauline, dass der Trend zur Entpolitisierung gestoppt und möglichst umgekehrt wird.
Dass nicht vergessen wird, was das autonom im Namen bedeutet, dass es nicht nur die Abwesenheit städtischer Sozialarbeiter bedeutet.
Wir wünschen uns mehr Politik in diesem Haus, mehr Verbindlichkeit und Verantwortlichkeit bei allen Nutzern.
Wir wünschen dem Haus, dass die Zahl ähnlicher Häuser wieder steigt.
Vor allem aber wünschen wir der Alten Pauline, dass sie erst dann aufhört zu existieren, wenn die Notwendigkeit autonomer Zentren in einer befreiten Gesellschaft entfallen ist.