Für Israel

Gegen die palästinensische Konterrevolution und ihre deutschen Sympathisanten

Einladung zur Informations- und Diskussionsveranstaltung

Entgegen dem von den meisten deutschen Medien verbreiteten Bild handelt es sich bei den Auseinandersetzungen zwischen dem Staat Israel und den Palästinensern nicht um einen Konflikt, in dem alte Feindschaft und gegensätzliche Interessen die Parteien blind für einen von beiden gewollten Frieden machen, sodass es zur Lösung nur etwas guten Willen, Mut, Mäßigung und einen ausgeglichenen Kompromiss bräuchte. Denn weil (wie aus dem Folgenden ersichtlich wird) die palästinensische Seite an friedlicher Koexistenz gar nicht interessiert ist, kann eine solche um Ausgewogenheit und Vermittlung bemühte Perspektive der Sache nicht gerecht werden, und alle denkbaren Lösungsansätze müssen scheitern. Wenn radikale Rechte und sich für radikal haltende Linke in trauter Einmütigkeit die „Unterdrückung des palästinensischen Volkes“ durch Israel konstatieren, wollen sie dagegen Israel die Bereitschaft zum friedlichen, gleichberechtigten Miteinander mit den Palästinensern absprechen. Was ist von dieser Einschätzung zu halten?

  1. Die Begriffe von „Volk“, „Unterdrückung“, „Freiheit(skampf)“ und „Widerstand“, wie sie von Deutschen und Palästinensern gemeint sind, postulieren ein nationales Kollektiv und dessen Rechte, die ihm als Kollektiv mindestens genauso naturgegeben seien wie dem Individuum in der bürgerlichen Gesellschaft seine Menschenrechte. Wenn sich dieses Kollektiv dann auch noch ethnisch definiert und so seine Identität statt aus abstrakten staatsbürgerlichen Konzepten lieber aus einer halluzinierten gemeinsamen Abstammung bezieht, dann sind ihm die Sympathien der Deutschen sicher. Und deutsche und andere antiimperialistische Linke, bei denen es nicht für eine grundlegende Kritik an den Bedingungen des Kapitalismus reicht, weil sie — befangen in dessen Denkformen — das Übel der Moderne lieber in der Abstraktheit der Verhältnisse und dem Verlust an natürlichem Halt sehen, sind ganz folgerichtig auch die ersten, wenn es darum geht, in jeder völkisch-separatistischen Nationalbewegung ein sozialrevolutionäres Moment zu entdecken und sich schamlos mit ihr zu solidarisieren — jeden Terror, jede Barbarei als nachvollziehbaren Widerstand oder unvermeidliche Begleiterscheinung hässlicher Zustände akzeptierend.
  2. Ein nationaler Befreiungskampf ist das Gegenteil von kommunistischer Revolution. Er beruht nicht auf einer Kritik an den Grundlagen der Verhältnisse, sondern auf einem Wahn, der in der Logik der Verhältnisse selbst begründet liegt und diese affirmiert. Er hat nicht die Befreiung des Individuums zum Ziel — weder aus den Zwängen der Wertreproduktion noch aus sonst irgendwelchen —, sondern die geistige und physische Unterwerfung der Menschen unter das antiemanzipative Prinzip der Nation (zumal der völkischen).
    Er setzt nicht an der Unfähigkeit der bürgerlichen Gesellschaft an, ihren Anspruch zu erfüllen, den Menschen ein selbstbestimmtes Leben in einem harmonischen Miteinander zu ermöglichen, sondern macht auch die letzte Chance auf persönliches Glück in diesem Sinne zunichte. Dies zeigt sich im Falle Palästinas am allgemeinen materiellen Elend und besonders deutlich an der mörderischen Verfolgung all derer, die durch den vorgelebten Hinweis darauf, dass auch Individualität und privates Glück erstrebenswerte Ziele sind, die nationale Sache gefährden und sich den Vorwurf der Kollaboration zuziehen.
  3. Die Darstellung Israels als verlängerter Arm Amerikas und rassistisches Konstrukt erwächst aus antisemitischen Ressentiments. So wie die jüdische Identität eine den Juden von den Antisemiten aufgezwungene ist (und nicht etwa Ausdruck eines kollektiven ethnischen Selbstverständnisses), so ist die Besonderheit Israels als explizit jüdischer Staat auch nicht (wie von seinen linken Kritikern unterstellt) Ausdruck einer völkischen oder rassistischen Konstitution, sondern die notwendige Antwort auf die Besonderheit des Antisemitismus als eine allen anderen bürgerlichen Nationen immanente Eigenschaft.
    Nach der Erfahrung des weltweiten Antisemitismus und der spätestens seit dem Holocaust offensichtlich gewordenen Notwendigkeit einer wehrhaften Zuflucht für alle Juden, wurde der Staat Israel als Gegenmodell zu all den Nationalstaaten geschaffen, die ihre Identität in natürlicher Verwurzelung suchen. In seiner bewussten Abstraktheit und Künstlichkeit ist er für die Projektion antisemitischer Stereotype einmalig prädestiniert. Daher stellt sein Erfolg eine unerträgliche Beleidigung antisemitischer Denkweisen dar. Diesen Erfolg kann sich der Antisemit nur dadurch erklären, dass er Unterdrückung und Betrug halluziniert, mit der Israel von seinen Nachbarn und seinen arabischen Bürgern schmarotze. Als entsprechendes Unrecht interpretiert wird dann die Verteidigung Israels gegen die wahnhaft eliminatorische, völkische und antisemitische Vernichtungswut seiner Nachbarn.
  4. Durch die Berufung auf den Mythos „Nakba“ erweist sich die nationale palästinensische Identität als durch die Vorstellung vom Leid, das den Juden zu verdanken sei, und den Wunsch nach Vergeltung konstituiert. Diese Identität prädestiniert geradezu dafür, jedes Ungemach in bekannter antisemitischer Manier den Juden zuzuschreiben. Ebenso verdeutlicht die Geschichte der palästinensischen Gesellschaft und ihrer Auseinandersetzung mit Israel bis heute, dass eine palästinensische Nation (gerade eine als souveräner Staat organisierte) allein schon aufgrund ihres Selbstverständnisses nicht ohne den Kampf gegen die Juden existieren könnte. Ein Frieden mit Israel würde das nationale palästinensische Kollektiv ad absurdum führen.
  5. Die deutsche Solidarisierung mit dem völkischen und antisemitischen Anliegen des palästinensisches Kampfes unterstellt den Juden nationalistische und rassistische Zielsetzungen. Der immer wieder von Antizionisten vorgebrachte Holocaustvergleich ist eine unverschämte Verdrehung geschichtlicher Tatsachen und realer Verhältnisse. Gleichzeitig schafft der Antizionismus durch diese Verdrehung von Opfer- und Täterrolle des in die Gegenwart projizierten Holocaust die Voraussetzung für deutschnationale Normalität und Heimeligkeit.

Dieser Antizionismus ist die gemeinsame Grundlage, auf der links und rechts mit verschiedenen Argumentationen zum selben Ergebnis kommen. Und wo die Rechten mit ihrem unverhohlenen Antisemitismus noch anecken, leistet der linke Antisemitismus (nur dürftig getarnt als Antizionismus) einen hervorragenden ideologischen Dienst für's deutsche Vaterland. Die Unterschiede zwischen rechts und links werden zur Makulatur. Die Volksgemeinschaft findet wieder zu sich selbst.


Die Georg-Weerth-Gesellschaft e.V. lädt ein zum Vortrag von

Justus Wertmüller und Clemens Nachtmann

(Redaktion Bahamas, Berlin)

mit anschließender Diskussion.


Detmold
Montag, 2. Juli 2001, 20.00 Uhr
Alte Pauline
Bielefelder Straße 3, 32756 Detmold


Bielefeld}
Dienstag, 3. Juli 2001, 20.00 Uhr
Bürgerwache am Siegfriedsplatz
Rolandstraße 16, 33615 Bielefeld

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